EU-Reifenlabel: Testverfahren

Von der Europäischen Union vorgegeben

Die Testverfahren zur Bewertung der Leistungsmerkmale des Reifenlabels wurden von der Europäischen Union standardisiert und an die Reifenhersteller delegiert. Die Vorgaben zu den einzelnen Testverfahren können in der neuen EU-Verordnung zum Reifenlabel (1222/2009) sowie in der Regelung Nr. 117 der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa nachgelesen werden.

Die Tests zur Messung von Kraftstoffeffizienz und Externem Rollgeräusch sind für Sommer- und Winterreifen identisch. Lediglich beim Testverfahren für die Nassbremsleistung werden das Berechnungsverfahren und die Testbedingungen für Winterreifen ganz leicht modifiziert. Reifenhersteller, die über eigene, zertifizierte Labors verfügen, führen ihre Reifentests nach den Vorgaben der EU selbst durch. Reifenhersteller ohne eigenes Labor müssen zertifizierte Labors beauftragen.

Lokale und nationale Behörden werden die Richtigkeit der Klassifizierungswerte, die von den Reifenherstellern angegeben werden, anhand eines von der EU festgelegten Überprüfungsverfahrens kontrollieren. Ordnungswidrigkeiten werden bestraft.

EU definiert einheitliche Testmethoden

Testverfahren zur Messung der Kraftstoffeffizienz

Die Kraftstoffeffizienzklasse eines Reifens ist auf der Grundlage des ROLLWIDERSTANDSBEIWERTS zu ermitteln. Zur Messung des Rollwiderstands-beiwerts existieren 4 verschiedene Methoden, die in Anhang 6 der Regelung Nr. 117 der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa beschrieben werden. Die Wahl einer bestimmten Methode liegt beim Prüfer. Aus kapazitären Gründen fokussieren wir uns an dieser Stelle auf eine kurze Darstellung der sog. Drehmomentmethode.

Messung des Rollwiderstandes mit der Drehmomentmethode
Zunächst wird der Reifen auf eine Trommel mit 2 Meter ∅ montiert. Unter definierter Belastung und Druck – mit einer Geschwindigkeit von 80 km/h – wird die Trommel laufen gelassen. Die Umgebungstemperatur beträgt 25° Celsius, der Reifen wurde vorab aufgewärmt. Um die Trommel ohne einen Reifen zu rotieren, bedarf es eines bestimmten Drehmoments. Kommt der Reifen in Kontakt mit der Trommel, muss das Drehmoment, das zur Rotation erforderlich ist, erhöht werden. Durch die Messung der Differenz zwischen dem Drehmoment der Trommel ohne Reifen und dem Anstieg, wenn der Reifen mit der Trommel in Berührung kommt, wird der Rollwiderstand ermittelt. Der Rollwiderstandsbeiwert wird errechnet, indem der Rollwiderstand durch die Belastung des Reifens dividiert wird. Auf Grund des Rollwiderstandsbeiwerts kann die Kraftstoffeffizienzklasse des Reifens in einer Tabelle abgelesen werden.

Alle Reifenkategorien, unabhängig für welches Fahrzeug und für welche Saison, werden unter identischen Bedingungen getestet. *Lediglich eine Abweichung gibt es: Für C3-Reifen in der Geschwindigkeitskategorie unter 100 km/h, wird die Trommel mit 60 km/h anstatt mit 80 km/h betrieben.

Testverfahren zur Messung der Nassbremsleistung

Die Nasshaftungsklasse von Reifen wird anhand des NASSHAFTUNGSKENNWERTS ermittelt. Für Reifen der Klasse C1* wird die Prüfmethode zur Messung des Nasshaftungskennwerts im Anhang V der EU-Verordnung zum Reifenlabel (1222/2009) definiert. Für Reifen der Klassen C2* und C3* wird der Nasshaftungskennwert nach ISO 15222:2011 gemessen. Der generelle Ablauf der Messung ist – bis auf spezielle Prüfbedingungen wie u.a. Geschwindigkeit und Wassermenge, die auf C2- und C3-Reifen abgestimmt sind – vergleichbar mit der unten beschriebenen Testmethode für C1-Reifen. Detailinformationen zu den Prüfmethoden können in den entsprechenden Quellen nachgelesen werden. Aus kapazitären Gründen beschränken wir uns auf eine kurze Darstellung.

Prüfmethode zur Messung des Nasshaftungskennwerts von Reifen der Klasse C1

Zur Berechnung des Nasshaftungskennwerts wird die Nassbremsleistung des zu prüfenden Reifens mit der Nassbremsleistung eines Referenzreifens bei Geradeausfahrt auf einer nassen, befestigten Oberfläche verglichen. Die benetzte Oberfläche muss eine Wassertiefe von 1,0 ± 0,5 mm vorweisen. Die vorgegebene Temperatur von benetzter Oberfläche und Umgebung beträgt im Falle von normalen Reifen zwischen 5 und 35°C, im Falle von Winterreifen zwischen 2 bis 20°C.

Die neue EU-Verordnung zum Reifenlabel definiert zwei mögliche Prüfmethoden zur Feststellung der Nassbremsleistung: Den Nassbremstest und den Anhänger-Rutsch-Test.

Beim Nassbremstest wird die Nassbremsleistung bei Abbremsung eines PKW mit ABS von 80 km/h auf 20 km/h auf nasser Fahrbahn gemessen. Aus der zurückgelegten Strecke (zwischen Abbremsung bei 80 bis auf 20 km/h) wird die sogenannte mittlere Verzögerung eines Reifens errechnet, aus dem sich der Bremskraftkoeffizient ergibt.

Alternativ wird der Anhänger-Rutsch-Test durchgeführt, der die Reibung zwischen Straße und Reifen bei einer Geschwindigkeit von 65 km/h auswertet. Die Reibung wird gemessen, indem ein Anhänger gezogen wird, dessen Bremsen aktiviert werden. Das Zugfahrzeug fährt so, dass die Prüfgeschwindigkeit von 65 km/h beibehalten werden kann. Die Bremsen des Anhängers werden dabei so stark betätigt, dass die Höchstbremskraft vor dem Blockieren der Räder erreicht wird.

Zur Berechnung des Nasshaftungskennwertes werden in beiden Messverfahren die festgestellten Bremskraftkoeffizienten und Referenzdaten berücksichtigt. Für Winterreifen wird die Formel leicht modifiziert. Das Endergebnis ist der Nasshaftungs-Index, der die Verbesserung in Prozent in Bezug auf den Referenzreifen beschreibt.

Testverfahren zur Messung des Externen Rollgeräuschs

Die Einstufung des Externen Rollgeräusches von Reifen basiert auf einem ISO Vorbeifahrgeräusch-Test. Alle Prüfbedingungen sind in der Regelung Nr. 117 der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa nachzulesen. Da diese sehr umfangreich sind, beschränken wir uns hier auf eine verkürzte Darstellung.

Prüfverfahren zur Messung der Rollgeräuschemission

Die Messung erfolgt durch zwei Mikrofone, die 7,5 m von der Mittellinie und auf einer Höhe von 1,2 m angebracht sind. Das Geräusch wird gemessen, während das Fahrzeug die Mikrofone im Leerlauf, mit abgeschaltetem Motor, passiert. Die Messgeschwindigkeit des Fahrzeugs variiert je nach Reifenklasse. Für C1- und C2- Reifen liegt diese bei 80 km/h, für C3-Reifen 70 km/h.

Zu beachten sind beim Prüfverfahren u. a. folgende Bedingungen:
Die Messstrecke muss eben, trocken und sauber sein. Schallreflektierende Gegenstände und Hintergrundgeräusche (auch Wind) sind auszuschließen. Alle Teile am Prüffahrzeug, die schalldämpfend sind oder zusätzliche Geräusche verursachen, sind zu vermeiden (z.B. durch Demontage, geschlossene Fenster, abgeschaltete Kühlgebläse etc.).