EU-Reifenlabel: Vorstellung

Erläuterung des Labels

Unabhängig davon, ob PKW- oder Nutzfahrzeugreifen, Sommer- oder Winterreifen bewertet werden – das EU-Reifenlabel hat immer den gleichen Look. Lediglich die Bewertungsskalen von PKW- und Nutzfahrzeugreifen sind unterschiedlich belegt. (Unterschiede, die wir Ihnen innerhalb der Beiträge zu den 3 Leistungsmerkmalen vorstellen.)

Auf dem EU-Reifenlabel hat jedes Leistungsmerkmal ein eigenes Feld: die Kraftstoffeffizienz, die Nassbremsleistung und das Externe Rollgeräusch (mehr zu den Leistungsmerkmalen finden Sie oben in unserer Themenleiste). Für die Bewertung von Kraftstoffeffizienz und Nasshaftung wird jeweils eine alphabetisch geordnete Buchstabenreihe von A bis G genutzt. A steht für die bestmögliche und G für die niedrigste Bewertung. Im Feld der Kraftstoffeffizienz sind die einzelnen Buchstaben zusätzlich mit farbigen Balken hinterlegt. Die grünen Farben stehen für die besseren und die roten Farben für die schlechteren Werte. Das Externe Abrollgeräusch des Reifens wird durch schwarze Schallwellen bewertet. Je lauter der Reifen, desto mehr Schallpegel sind schwarz markiert. Zusätzlich zu dieser Symbolik wird die absolute Lautstärke des Externen Rollgeräuschs in Dezibel (dB) angegeben. In unserem nächsten Beitrag lesen Sie, wie das Bewertungssystem des EU-Reifenlabel zu lesen ist.

1 – Kraftstoffeffizienz
2 – Nassbremsleistung
3 – Externes Rollgeräusch

Wie das Bewertungssystem zu lesen ist

In den folgenden Beiträgen finden Sie die Erläuterung der einzelnen Leistungseigenschaften, welche konkreten Werte hinter den einzelnen Klassen stehen sowie Beispiele zur Berechnung von Bewertungsergebnissen.

Die Kraftstoffeffizienz

Circa 20% des Kraftstoffverbrauchs eines PKW werden durch den Rollwiderstand der Reifen beeinflusst. Bei Nutzfahrzeugen sind es sogar bis zu 35%. Je kleiner der Rollwiderstand, desto geringer der Kraftstoffverbrauch und in Folge der CO2-Ausstoß. Entsprechend wird die Kraftstoffeffizienz im Falle des EU-Reifenlabels anhand des Rollwiderstandbeiwerts festgestellt und in Klassen von A bis G ausgedrückt. A kennzeichnet die beste Leistung in dieser Kategorie, G kennzeichnet die schlechteste Leistung, die immer noch innerhalb der gesetzlichen Grenzen liegt. Auf der Bewertungsskala der Kraftstoffeffizienz für PKW-Reifen stehen alle belegten Buchstaben für eine durchschnittliche Reduzierung des Rollwiderstands um 14% (für LKW-Reifen um Ø 10%) und damit verbunden für eine Kraftstoffersparnis von ca. 2% (für LKW-Reifen um Ø 3%).

* Umgerechnet auf ein Fahrzeug mit einem Durchschnitts-Verbrauch von 5 Litern Kraftstoff auf 100 km, bedeutet jeder Schritt in der Bewertungsskala nach oben eine Kraftstoffersparnis von ca. 0,1 Litern. Für ein Fahrzeug mit einem Durchschnitts-Verbrauch von 10 Litern auf 100 km läge die Kraftstoffersparnis pro Stufe entsprechend bei ca. 0,2 Litern.

** Nimmt man für einen LKW einen Durchschnitts-Verbrauch von 32,3 l Diesel pro 100 km an, ergibt sich daraus eine mögliche, maximale (zwischen Klasse A und F) Ersparnis von 4,75 l/ 100 km. Geht man weiterhin von einer jährlichen Laufleistung von 100.000 km und einem Durchschnitts-Dieselpreis von € 1,25 aus, errechnet sich pro Fahrzeug eine mögliche Ersparnis von bis zu € 6.000 für ein Jahr.

Berechnung:
32,3l × 14,7% = 4,75l Diesel Ersparnis pro 100 km (14,7% = insgesamt mögliche Kraftstoffersparnis zwischen Klasse A und F), 4,75l/ 100km × 100.000km x € 1,25 = 5.937,50 €.

Zu beachten ist, dass beide Beispiele nach dem ECE-Verbrauchszyklus berechnet wurden.

Die Werte für die Kraftstoffeffizienz werden auf dem Rollenprüfstand im Labor, unter fest definierten Bedingungen ermittelt. Auf der Straße allerdings beeinflussen Faktoren, wie zum Beispiel das Verkehrsaufkommen, die Aerodynamik des Fahrzeugs, der Reifenluftdruck, die Zuladung, Zusatzverbraucher, der Fahrstil und die Geschwindigkeit den Kraftstoffverbrauch. Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch, dass es alternative Wege gibt, Kraftstoff einzusparen. Beachten Sie hierzu unseren Artikel Tipps zum Kraftstoffsparen. Außerdem zu erwähnen ist, dass der Einfluss des Rollwiderstands auf den Energieverbrauch mit zunehmender Geschwindigkeit abnimmt. Lesen Sie hierzu auch unseren Exkurs in der Themenleiste: Einfluss Luftwiderstand auf Rollwiderstand.

Kraftstoffeffizienzklassen und zugehörige Rollwiderstandsbeiwerte

Die Kraftstoffeffizienzklasse ist auf der Grundlage des Rollwiderstandsbeiwerts (CR) nach der unten aufgeführten Skala von „A“ bis „G“ zu ermitteln. Wird ein Reifentyp für mehr als eine Reifenklasse zugelassen (z.B. C1 und C2), sollte zur Ermittlung der Kraftstoffeffizienzklasse dieses Reifentyps die für die höchste Reifenklasse (also C2, nicht C1) geltende Skala verwendet werden.

Quelle:  VERORDNUNG (EG) Nr. 1222/2009 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 25. November 2009

Welche Reifen sind C1-, C2- und C3-Reifen? Diese Information finden Sie in unserem Artikel Klassifizierung von Reifen.

Exkurs: Einfluss Luftwiderstand auf Rollwiderstand

Aerodynamik und Fahrgeschwindigkeit haben einen enormen Einfluss auf den Kraftstoffverbrauch. Bei hohen Geschwindigkeiten steigt der Einfluss des Luftwiderstandes, der während der Fahrt verdrängt werden muss, exponentiell an. Da der Rollwiderstand nur linear ansteigt, wird sein Anteil am Kraftstoffverbrauch mit zunehmender Geschwindigkeit kleiner.

Anteil Rollwiderstand am Kraftstoffverbrauch wird mit zunehmender Geschwindigkeit kleiner.

Die unten stehenden Grafiken zeigen für PKW und LKW, wie sich Roll- und Luftwiderstand mit zunehmender Geschwindigkeit entwickeln.

Verhältnis Rollwiderstand & Luftwiderstand

Im Vergleich zu PKW, hat bei LKW der Rollwiderstand im unteren Geschwindigkeitsbereich einen wesentlich höheren Einfluss auf den Kraftstoffverbrauch: bei 40 km/ h ist der Rollwiderstand doppelt so hoch wie der Luftwiderstand. Im Bereich der von LKW einzuhaltenden Geschwindigkeitsgrenze (75 km/h) allerdings, halten sich Rollwiderstand und Luftwiderstand in etwa die Waage.

Die Nassbremsleistung

Reifenentwickler betrachten mehr als 50 Leistungseigenschaften. Auf dem EU-Reifenlabel kann nur eine sehr kleine Auswahl an Eigenschaften, nämlich 3, betrachtet werden. Um die Sicherheit im Straßenverkehr zu fördern (1 von 3 Hauptzielen, welche die EU mit dem Reifenlabel verfolgt), wurde von der EU die Nassbremsleistung ausgewählt. Auf dem Reifenlabel wird die Nassbremsleistung in Klassen von A bis F (die Klasse G ist nicht belegt) ausgedrückt. A kennzeichnet dabei die beste und G die schlechteste Leistung

*Für PKW-Reifen bedeutet jeder belegte Buchstabe in der Bewertungsskala einen Bremsweg-Unterschied von Ø ca. 4,5 Metern. Bei einer Vollbremsung auf nasser Fahrbahn kann der Unterschied zwischen Reifen der Klasse F und der Klasse A bis zu 18 m bzw. 30 % im Bremsweg betragen.

** Für LKW-Reifen bedeutet jeder belegte Buchstabe in der Bewertungsskala einen Bremsweg-Unterschied von Ø ca. 5 Metern. Ist das Fahrzeug mit einem Satz A-klassifizierter Reifen ausgestattet, bleibt es bis zu 25 m vor einem Fahrzeug stehen, das mit F-klassifizierten Reifen eine Vollbremsung vollzieht.

Bei den in den Abbildungen dargestellten Messergebnissen ist zu beachten, dass diese unter fest definierten Testbedingungen – nämlich bei 80 km/h (bei „langsamen“ LKW bei 60 km/h) auf einer durchschnittlich griffigen Fahrbahn – gemessen wurden. Im Alltag hängt die Nassbremsleistung maßgeblich von variablen Einflussfaktoren, wie z.B. der Geschwindigkeit und der Fahrbahnbeschaffenheit ab. Weiterhin ist bei der Betrachtung der Labelwerte zu berücksichtigen, dass die Nassbremsleistung und die Kraftstoffeffizienz im Zielkonflikt zueinander stehen. Auch wenn Reifenentwickler stets um die Harmonisierung von Eigenschaften bemüht sind, so darf doch die Kraftstoffeffizienz aus Sicherheitsgründen nie zu Lasten der Nassbremsleistung optimiert werden.

Nasshaftungsklassen und zugehörige Grenzwerte

Die Nasshaftungsklassen von Reifen sind anhand des Nasshaftungskennwerts (G) gemäß der Skala von „A“ bis „G“ in untenstehender Tabelle zu ermitteln.
Berechnung des Nasshaftungskennwerts (G)
G = G(T) – 0,03
Dabei ist G(T) der Nasshaftungswert des Kandidatenreifens, wie bei einem Prüflauf gemessen.

Die Nasshaftungsklassen von Reifen sind anhand des Nasshaftungskennwerts (G) gemäß der Skala von „A“ bis „G“ in untenstehender Tabelle zu ermitteln. Berechnung des Nasshaftungskennwerts (G) G = G(T) – 0,03 Dabei ist G(T) der Nasshaftungswert des Kandidatenreifens, wie bei einem Prüflauf gemessen.

Quelle: VERORDNUNG (EG) Nr. 1222/2009 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 25. November 2009

Welche Reifen sind C1-, C2- und C3-Reifen? Diese Information finden Sie in unserem Artikel Klassifizierung von Reifen.

Das Externe Rollgeräusch

Die EU betrachtet auf dem Reifenlabel das Externe Rollgeräusch, auch Vorbeifahrgeräusch genannt, um einen Beitrag zum Umweltschutz zu erbringen. Denn das Vorbeifahrgeräusch beeinflusst die vom menschlichen Ohr wahrgenommene Lärmbelastung wesentlich: Bereits eine Erhöhung des Geräuschpegels um 3 Dezibel wirkt auf das Ohr wie eine Verdoppelung der Lautstärke

Leise Reifen bieten eine echte Chance, die subjektiv empfundene Umweltbelastung zu verringern: Eine Reduzierung des Geräusch­pegels um 3 Dezibel wird vom menschlichen Ohr wie die Halbierung der Lautstärke empfunden.

Bei der Bewertung ihrer Geräuschintensität erhalten Reifen 1 bis 3 schwarze Schallwellen. Zusätzlich wird der in der Vorbeifahrt gemessene Geräuschpegel in Dezibel angegeben. 3 schwarze Schallwellen kennzeichnen Reifen mit dem höchsten Abrollgeräusch. Sie halten die aktuell zulässige Geräuschgrenze – bekannt als Sound-Kennung – ein. 2016 wird die Sound-Kennung durch eine neue EU-Richtlinie (661/2009) ergänzt, welche die Geräuschgrenzen für Reifen noch mal optimiert. Hält ein Reifen, die Grenzwerte der neuen Richtlinie ein bzw. liegt weniger als 3 Dezibel darunter, so erhält er in seiner Bewertung 2 schwarze Schallwellen. Reifen mit nur 1er schwarzen Schallwelle sind die Leisesten. Ihre Geräuschintensität liegt mindestens 3 Dezibel unter dem zukünftigen, gesetzlichen Limit.

Rollgeräuschklassen und zugehörige Grenzwerte

Zur Bewertung des Externen Rollgeräuschs eines Reifens sind 2 Angaben zu machen:

  1. Die Rollgeräuschklasse, die in 1 bis 3 Schallwellen ausgedrückt wird.
  2. Der Messwert des Vorbeifahrgeräuschs, der in Dezibel (dB) anzugeben ist.

Die Rollgeräuschklasse von Reifen wird anhand von Geräuschgrenzwerten bestimmt. Die unten in den Tabellen 1.1. und 1.2. dargestellten Geräuschgrenzwerte stammen aus der EU-Verordnung 661/2009 und gelten ab 2016. Bis dahin sind die in der Richtlinie 2001/43/EG – auch bekannt als „Sound-Kennung“ – definierten Grenzwerte gültig. Im Bewertungssystem des EU-Reifenlabels erhalten Reifen, deren Geräuschmesswert mindestens 3 dB unter den in den Tabellen definierten Grenzwerten liegen, 1 Schallwelle. Reifen, deren Messwert dem neuen Grenzwert entspricht bzw. weniger als 3dB kleiner ist, erhalten 2 Schallwellen. Reifen, welche die neuen Geräuschgrenzwerte überschreiten, aber innerhalb der sog. „Sound-Kennung“ liegen, bekommen 3 Schallwellen.

Quelle:  VERORDNUNG (EG) Nr. 1222/2009 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 25. November 2009

Quelle:  VERORDNUNG (EG) Nr. 661/2009 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 13. Juli 2009

Welche Reifen sind C1-, C2- und C3-Reifen? Diese Information finden Sie in unserem Artikel Klassifizierung von Reifen.